Fahrt durch Kabul (Sprechertext)

 

 

 

Der feine Sand verdeckt dem Blick auf die Berge des Hindukusch. Vor uns die Millionenstadt Kabul. Die größte Stadt Afghanistans. Hier leben über drei Millionen Menschen.

Wir wollen heute einen Einblick in Afghanistans Hauptstadt geben und haben dafür Unterstützung bekommen. Unser Ortskundiger ist der Stabsfeldwebel Sascha D. Die Straßen Kabuls kennt er aus dem Effeff. 2004 und 2005 war er hier achtzehn Monate Fahrlehrer für afghanische Soldaten, und auch 2011 war er wieder für ein Jahr in der Stadt.

Interviewer: „Wie wird man denn jetzt hier als Deutscher so in Kabul wahrgenommen?

Stabsfeldwebel: „Sehr gut. Also man sieht es an den einzelnen Stationen. Wenn Leute hier irgendwo stehen, oder wenn hier irgendwo was gesperrt ist an Straßen. Sie helfen einem sofort, wenn man irgendwo rückwärts fahren muss oder irgendwo durch fährt. Sind sehr hilfsbereit. Also man muss natürlich die Sicherheitslage nicht außer Acht lassen, aber ansonsten sieht man trotzdem, dass sie sehr offen sind für uns Deutsche.

Ein kurzer Ortswechsel an die Logistikschule der afghanischen Armee, ebenfalls in Kabul. Das ist der Arbeitsplatz von Sascha D. Seit Februar ist er auch dieses Jahr wieder im Einsatz und wird für achtzehn Monate bleiben.

Er ist einer von über dreißig deutschen Soldaten der sogenannten GAFTAG, der German Armed Forces Technical Advisory Group, einer technischen Beratergruppe der Bundeswehr. Er berät die afghanischen Ausbilder rund um die Themen Versorgung, Nachschub und Transport.

Stabsfeldwebel: „Die Motivation, die dieser Ausbilder zum Beispiel die Soldaten, die im U-Raum sitzen, das spornt mich jedes Mal neu an, um zu sagen da lohnt es sich, ihn zu unterstützen, weil er wirklich auch weiter kommen möchte. Er will das den Leuten beibringen. Das sieht er auch als seine Aufgabe an. Und so sehe ich auch meine Aufgabe an. Auch wenn ich verschiedene Einsatzbereiche gemacht habe bei der GAFTAG bislang, aber jeder Einsatzbereich zeigt es immer wieder, dass es sich lohnt zu unterstützen.

Rush Hour vor dem Kabul Business Center. Wir sind zurück auf den Straßen der Hauptstadt. Wir fahren am Olympiastadion vorbei. Wo heute der afghanische Sportlernachwuchs trainiert, haben noch bis 2001 die Taliban öffentlich Menschen hingerichtet. Seit Ende der Talibanherrschaft ist Kabul wieder zum kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum des Landes geworden.

Bis 2020 sollen hier sechs Millionen Menschen leben – so Schätzungen der Vereinten Nationen. Aber nach über zwei Jahrzehnten Krieg ist die Lage hier immer noch angespannt. „Bedrohungslage signifikant“ sagen dazu die Soldaten. Kabul ist immer wieder das Ziel von Angriffen der Taliban und anderer aufständischer Gruppen. Der letzte Angriff geschah am 22. Juni auf das Spozmai-Hotel am See, weiter im Westen vor den Toren der Stadt.

Die angespannte Lage zeigt sich im Stadtbild: Bewaffnete Polizisten an jeder größeren Straße.

Stabsfeldwebel: „Also man merkt schon, dass die Sicherheitskräfte hier vieles unter Kontrolle haben. Allerdings sieht man, dass, wie mit dem Anschlag vor einer Woche am See draußen, alles können sie nicht unter Kontrolle haben. Es gibt immer wieder einzelne Versuche, die dann auch durchkommen. Aber man sieht auch, dass einzelne Anschläge immer wieder vereitelt werden.

Elf Kilometer vom Zentrum entfernt liegt der Darulaman-Palast im gleichnamigen Stadtteil. In den Zwanziger-Jahren vom Deutschen Walter Horten erbaut, sollte er das neue afghanische Parlament beherbergen. Der Plan wurde nach dem Sturz des damaligen Königs nie umgesetzt. Die Schäden stammen noch aus dem Bürgerkrieg der Neunziger-Jahre.

Am frühen Abend geht es mit Stabfeldwebel D. zurück in das französische Lager Camp Warehouse, in dem neben vielen anderen Nationen auch deutsche Soldaten stationiert sind.

Wir haben einen kleinen Ausschnitt von Kabul gesehen, der Millionstadt. Polizei und Militär, und das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Afghanistans.


Bericht Bundeswehr.de und Facebook 06.01.2014

Vielseitige Aufgaben - Die deutschen Soldaten in Kabul

Kabul, 06.01.2014.
Insgesamt 3.100 deutsche Soldaten sind in Afghanistan im Einsatz. Während zumeist die im Norden Afghanistans eingesetzten deutschen Soldaten im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, ist über die deutschen Soldaten in Kabul relativ wenig bekannt.

 

Deutsche Soldaten in Kabul

Auch in Kabul unterwegs: Soldaten der Bundeswehr vor einer Fahrt durch die Stadt (Quelle: Bundeswehr/Bienert)Größere Abbildung anzeigen

 

An insgesamt vier Standorten, vom Hauptquartier ISAF über das Camp Eggers und dem Camp Qasaba bis hin zum Kabul International Airport, leisten hier die Soldaten der Bundeswehr täglich ihren gefährlichen Dienst. Einer von ihnen ist Oberst Bernhard T. Der 47-Jährige arbeitet für sechs Monate als einer von rund 60 deutschen Soldaten im Hauptquartier der ISAF-Truppen in der Kabuler Innenstadt. Auf einer Fläche von nicht mal 300 mal 500 Metern leben hier insgesamt 2.000 Soldaten und Zivilisten. „Das sind schon viele Leute auf wenig Raum“, gibt der Oberst ehrlich zu.

Trotz der beengten Umstände hat er jedoch viel Freude an seiner derzeitigen Arbeit. Der Luftwaffenoffizier ist als Berater in der Non Security Ministerial Advisory Group eingesetzt. „Wir beraten alle afghanischen Ministerien, die nicht unmittelbar mit Fragen der militärischen oder inneren Sicherheit betraut sind“, sagt der Niedersachse. „Ein sehr interessanter Bereich. Wenn es um Nation Building geht, bedeutet Sicherheit deutlich mehr, als nur Sicherheitskräfte auszubilden.“

Während der ausgebildete Jet-Pilot in der Heimat in einem Luftwaffengeschwader eingesetzt ist, muss er in Afghanistan am Boden bleiben. Allerdings ist er der Fliegerei auch hier verbunden. Derzeit betreut er den Aufbau der zivilen Luftfahrt in Afghanistan. „Der Luftraum und die Flugplätze, die zurzeit noch von der NATO geführt werden, sollen nun an die Afghanen übergeben werden“, berichtet er. „Die Ausbildung am Kabuler Flughafen läuft sehr erfolgreich. Wir sind guter Dinge, dass wir die Zielvorgaben, die wir uns gesetzt haben, bis Ende 2014 auch erreichen werden können.

Sicherheitskräfte sind Schlüssel zur Übergabe

Circa 500 Meter Luftlinie entfernt vom Hauptquartier der ISAF arbeitet auch Hauptmann Christof H. im Camp Eggers an der Zukunft Afghanistans. Der 45-Jährige ist seit drei Monaten bei der NATO Training Mission-Afghanistan (NTM-A) als einer von nur sechs deutschen Soldaten eingesetzt. „Die NTM-A spielt die Schlüsselrolle beim Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte, einem der wichtigsten Ziele von ISAF“, sagt der Unterfranke vom Gefechtsausbildungszentrum in Wildflecken. „Unsere Hauptaufgabe ist das Aufstellen, Ausrüsten und das Trainieren der Afghanen, um in absehbarer Zeit selbständige Sicherheitskräfte zu etablieren.“ Starke und professionell ausgebildete Armee- und Polizeikräfte spielen eine entscheidende Rolle für die Übergabe der Verantwortung an die Afghanen mit Blick auf das Ende des ISAF-Einsatzes in diesem Jahr.

Auch wenn die Lebens- und Arbeitsbedingungen im Camp Eggers nicht ideal sind, arbeiten die wenigen deutschen Soldaten hier gerne am gemeinsamen Ziel. Vielleicht gerade auch deswegen unterstützt der Hauptmann vom Deputy Command Army, einer Unterabteilung von NTM-A,fast rund um die Uhr die Arbeit seiner multinationalen Kameraden an den verschiedenen Schulen der Afghanischen Streitkräfte.

 

Afghanischer Soldat erklärt etwas

Im Hintergrund: Maximilian V. unterstützt die Ausbilder an der Combat Service Support School (Quelle: Bundeswehr/Lehmann)Größere Abbildung anzeigen

 

Eine dieser Schulen ist die Afghan National Army Combat Service Support School am östlichen Stadtrand von Kabul in Pol-i Charki. Hier werden alle Nachschub- und Instandsetzungssoldaten, Personalbearbeiter und Finanzfachleute sowie Fahrlehrer für die afghanische Armee ausgebildet. Jeden Tag in der Woche arbeiten dort die 23 deutschen Soldaten der German Armed Forces Technical Advisory Group (GAFTAG) am Aufbau einer funktionierenden Logistik der afghanischen Streitkräfte. Hervorgegangen aus einem binationalen Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Islamischen Republik Afghanistan im Jahr 2002, unterstützen inzwischen auch sechs Franzosen und neun Ungarn das Vorzeigeprojekt.

Einer der Mentoren ist Oberleutnant Maximilian V. Der groß gewachsene Soldat aus der Einsatzkompanie des multinationalen Kommandos Operative Führung ist „eingesetzt als Mentor für den Inspektionschef“, wie der 28-Jährige nicht ohne etwas Stolz sagt. „Zusammen mit einem weiteren Mentor betreuen wir zusammen acht Lehrgänge.“ Trotz seines vergleichsweise jungen Alters ist der Logistiker in der Ausbildungseinrichtung ein gefragter Mann. Immerhin findet in der Inspektion zentral für ganz Afghanistan die Unteroffizier- und Feldwebelausbildung für die Bereiche Nachschub und Transport, Verpflegungsbewirtschaftung, Bewirtschaftung von Betriebsstoffen und Munition sowie Lagerhausverwaltung und -bewirtschaftung statt.

Weitere Mentoren kümmern sich um die Bereiche der Instandsetzung, der Personal- und Finanzverwaltung und der Fahrlehrerausbildung. „Unsere Hauptaufgabe ist es, mit den Afghanen Problemfelder auszuarbeiten, die gegeben falls auftauchen können“, erklärt der Memminger. „Allerdings sind die meisten Lehrgänge inzwischen etabliert. Einige Ausbildungen müssen wir noch etwas mehr unterstützen, in unserem Fall die in diesem Jahr neu eingeführte fachliche Unterweisung der Verpflegungsfeldwebel“, berichtet Maximilian V.. „Aber bei der GAFTAG war es schon immer so, dass die Afghanen von Anfang an selbst ausgebildet haben.“

 

Kaserne in Kabul

Moderne Unterkünfte: Der Großteil der Soldaten ist im Camp Qasaba stationiert (Quelle: Bundeswehr/Lehmann)Größere Abbildung anzeigen

Sevicedienstleister und Lebensader

Dass sich die Soldaten in den unterschiedlichen Verwendungen in Kabul ganz auf ihrer Aufgabe konzentrieren können, ist der guten Arbeit der Einsatz- und Unterstützungskompanie zu verdanken. Stationiert im Camp Qasaba und am Kabuler Flughafen, leisten die knapp 100 Soldaten mehr als nur logistische Unterstützung. Mit ihren Transport-, Material-, Instandsetzungs- und Fernmeldekräften sind die Frauen und Männer von Hauptmann Henning S. die Lebensader aller deutschen Soldaten in Kabul. „Wir sind in erster Linie Dienstleister“, erklärt der 32-jährige Kompaniechef. „Unser Kernauftrag ist die Versorgung aller deutschen Soldaten im Raum Kabul. Das bedeutet, dass wir eine breite Palette an Fähigkeiten bereitstellen müssen, von Personal- und Materialtransporten über die Instandsetzung mit nationaler Bergebereitschaft bis hin zur Betreuung im Camp Qasaba“.

Allerdings muss sich die Kompanie nicht mehr um den Betrieb eines Feldlagers kümmern. Seit mehreren Monaten betreibt die Afghan Construction Cooperation Limited (ACCL) das Camp im Auftrag der Bundeswehr. Das senkt die Anzahl der eingesetzten Soldaten erheblich, und die können sich jetzt mehr auf den militärischen Auftrag konzentrieren. „Was durch ACCL an Räumlichkeiten, Unterkünften und Verpflegung bereitgestellt wird, ist ziemlich gut. Da können wir uns echt nicht beklagen“, gibt der Rheinbacher ganz ehrlich zu.

Egal, in welchem Camp die deutschen Soldaten in Kabul ihren Dienst tun: Sie leisten ihn mit viel Hingabe. Ob im Camp Qasaba, am Kabul International Airport, im Camp Eggers oder im Hauptquartier der ISAF arbeiten sie alle hart, fernab des deutschen Kontingentes im Norden, für eine bessere Zukunft Afghanistans.


Bundeswehr in Afghanistan Soldaten haben gespendet

01.09.2013 11:03 Uhr
Zu den Erfolgen in Afghanistan gehören Fortschritte in der Bildung.   (BILD: Gückel)
Von Sven Gückel
Die Schäden an Schulgebäuden konnten mit der Hilfe von Spenden von Bundeswehrsoldaten beseitigt werden. Kleidung, Spielzeug, Computer aber auch Schulmöbel wurden eigens aus Deutschland eingeflogen oder von Handwerkern in Kabul gefertigt.
 
 
 
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Holzdorf/Kabul/MZ

Dem scheuen Blick nach beiden Seiten folgt das schnelle, keineswegs gefahrlose Überqueren der überfüllten Straßen Kabuls. Tausende Kinder machen sich jeden Morgen in der afghanischen Hauptstadt auf den Weg zur Schule. Sie bahnen sich ihren Weg durch eine echt unübersichtliche Welle aus Blech. Erst seit dem Ende der Taliban-Herrschaft haben Kinder beiderlei Geschlechts wieder das Recht, die Schule zu besuchen. Und sie tun es gern. Naturkundefächer, Mathe, Sport und Englisch stehen auf dem Plan. Kein Themengebiet wird ausgelassen. Während Jungen zumeist in ihrer Alltagskluft am Schultor erscheinen, fallen die Mädchen durch einheitliche Kleidung auf. Schwarze Hose und Jacke, zudem ein weißes Kopftuch.

Mit Soldaten der Bundeswehr besuchte ich die Rabia e Balkhi Highschool. Als die Fahrzeuge das eiserne Tor passieren und auf den umzäunten Schulhof rollen, bricht hektisches Treiben aus. Die Mädchen wussten dass wir kommen, und hatten sich entsprechend vorbereitet. Dennoch, den Eindruck, dass hier wie andernorts vielleicht etwas inszeniert wird, hatte ich nicht. „Sie sind so dankbar, hier lernen zu dürfen“, sagt Amiri der Sprachmittler. Noch vor wenigen Jahren, wiesen die Gebäude des Areals unzählige Schäden auf. Defekte Fenster, durchlässige Dächer, unbrauchbare Strom- und Wasserleitungen. Eine vierstellige Summe, zum größten Teil bereit gestellt durch eine Spende von in Kabul stationierten deutschen Soldaten, konnte dem abhelfen. Initiiert hat das Ganze Sascha, ein Bundeswehrsoldat aus Münster, der seit 2004 bereits 45 Monate im Land verbrachte. „Ich habe Afghanistan im Blut“, sagte mir der dreifache Familienvater mit dem für ihn typischen Lächeln. Kleidung, Spielzeug, Computer aber auch Schulmöbel werden eigens für ihn aus Deutschland eingeflogen oder von Handwerkern in Kabul gefertigt. Wer in die Gesichter der jungen Mädchen sieht, ist davon überzeugt, dass sie die Zukunft Afghanistans sind. „Frauen bringen dieses Land schneller und besser voran als Männer“, verriet mir unlängst ein seit zwölf Jahren in Kabul lebender Deutscher. Ich glaube, er hat recht. Damit dieser Weg eben bleibt, hatte Sascha heute auch 1 200 Schulhefte dabei. Sie gerecht zu verteilen, war angesichts des Andrangs der Kinder allerdings nicht einfach. Später ließ ich mich mit den Mädchen auf ein Volleyballspiel ein. Fußball, Basketball und Volleyball sind Teil ihres Sportunterrichts.

Noch einmal, später am Nachmittag, quälte sich das Auto in dem der Holzdorfer Oberst Franz S., in Kabul der Führer deutsche Kräfte, und ich saßen, durch die völlig überlasteten Straßen Kabuls. Polizisten regeln hier den Verkehr. Würden sie es nicht tun, der Effekt wäre der gleiche. Interessant ist übrigens, dass in Kabul seit 1978 die Straßenverkehrsordnung nach Vorbild der DDR gilt. Ein solches Chaos ist mir jedoch nicht in Erinnerung.

Ziel unserer Fahrt war die deutsche Botschaft in der scharf bewachten Greene Zone. Ich wollte vom Stellvertreter des Botschafters Fragen zur wirtschaftlichen Entwicklung und dem deutschen Engagement hierbei beantwortet haben. Um es kurz zu machen: Wohin die wirtschaftliche Reise des mit wertvollen Rohstoffen gesegneten Landes geht, weiß selbst die Regierung Karsai nicht. Und deutsches Unternehmertum scheint derzeit nicht gewillt zu sein, hier Geld zu investieren. Der wirtschaftliche Aufbau Afghanistans sollte eigentlich anders aussehen.

Als freier Journalist besucht Sven Gückel für einen längeren Zeitraum Afghanistan, um von dort über die Entwicklung des Landes, seine Menschen, aber auch die hier arbeitenden Soldaten zu berichten.

Ein Artikel von Sven Gückler vom 01.09.2013 aus dem Mitteldeutschen Zeitung

Von Sven Gückel

Die Schäden an Schulgebäuden konnten mit der Hilfe von Spenden von Bundeswehrsoldaten beseitigt werden. Kleidung, Spielzeug, Computer aber auch Schulmöbel wurden eigens aus Deutschland eingeflogen oder von Handwerkern in Kabul gefertigt.
Holzdorf/Kabul/MZ. 

Dem scheuen Blick nach beiden Seiten folgt das schnelle, keineswegs gefahrlose Überqueren der überfüllten Straßen Kabuls. Tausende Kinder machen sich jeden Morgen in der afghanischen Hauptstadt auf den Weg zur Schule. Sie bahnen sich ihren Weg durch eine echt unübersichtliche Welle aus Blech. Erst seit dem Ende der Taliban-Herrschaft haben Kinder beiderlei Geschlechts wieder das Recht, die Schule zu besuchen. Und sie tun es gern. Naturkundefächer, Mathe, Sport und Englisch stehen auf dem Plan. Kein Themengebiet wird ausgelassen. Während Jungen zumeist in ihrer Alltagskluft am Schultor erscheinen, fallen die Mädchen durch einheitliche Kleidung auf. Schwarze Hose und Jacke, zudem ein weißes Kopftuch.

Mit Soldaten der Bundeswehr besuchte ich die Rabia e Balkhi Highschool. Als die Fahrzeuge das eiserne Tor passieren und auf den umzäunten Schulhof rollen, bricht hektisches Treiben aus. Die Mädchen wussten dass wir kommen, und hatten sich entsprechend vorbereitet. Dennoch, den Eindruck, dass hier wie andernorts vielleicht etwas inszeniert wird, hatte ich nicht. „Sie sind so dankbar, hier lernen zu dürfen“, sagt Amiri der Sprachmittler. Noch vor wenigen Jahren, wiesen die Gebäude des Areals unzählige Schäden auf. Defekte Fenster, durchlässige Dächer, unbrauchbare Strom- und Wasserleitungen. Eine vierstellige Summe, zum größten Teil bereit gestellt durch eine Spende von in Kabul stationierten deutschen Soldaten, konnte dem abhelfen. Initiiert hat das Ganze Sascha, ein Bundeswehrsoldat aus Münster, der seit 2004 bereits 45 Monate im Land verbrachte. „Ich habe Afghanistan im Blut“, sagte mir der dreifache Familienvater mit dem für ihn typischen Lächeln. Kleidung, Spielzeug, Computer aber auch Schulmöbel werden eigens für ihn aus Deutschland eingeflogen oder von Handwerkern in Kabul gefertigt. Wer in die Gesichter der jungen Mädchen sieht, ist davon überzeugt, dass sie die Zukunft Afghanistans sind. „Frauen bringen dieses Land schneller und besser voran als Männer“, verriet mir unlängst ein seit zwölf Jahren in Kabul lebender Deutscher. Ich glaube, er hat recht. Damit dieser Weg eben bleibt, hatte Sascha heute auch 1 200 Schulhefte dabei. Sie gerecht zu verteilen, war angesichts des Andrangs der Kinder allerdings nicht einfach. Später ließ ich mich mit den Mädchen auf ein Volleyballspiel ein. Fußball, Basketball und Volleyball sind Teil ihres Sportunterrichts.

Noch einmal, später am Nachmittag, quälte sich das Auto in dem der Holzdorfer Oberst Franz S., in Kabul der Führer deutsche Kräfte, und ich saßen, durch die völlig überlasteten Straßen Kabuls. Polizisten regeln hier den Verkehr. Würden sie es nicht tun, der Effekt wäre der gleiche. Interessant ist übrigens, dass in Kabul seit 1978 die Straßenverkehrsordnung nach Vorbild der DDR gilt. Ein solches Chaos ist mir jedoch nicht in Erinnerung.

Ziel unserer Fahrt war die deutsche Botschaft in der scharf bewachten Greene Zone. Ich wollte vom Stellvertreter des Botschafters Fragen zur wirtschaftlichen Entwicklung und dem deutschen Engagement hierbei beantwortet haben. Um es kurz zu machen: Wohin die wirtschaftliche Reise des mit wertvollen Rohstoffen gesegneten Landes geht, weiß selbst die Regierung Karsai nicht. Und deutsches Unternehmertum scheint derzeit nicht gewillt zu sein, hier Geld zu investieren. Der wirtschaftliche Aufbau Afghanistans sollte eigentlich anders aussehen.

 

Als freier Journalist besucht Sven Gückel für einen längeren Zeitraum Afghanistan, um von dort über die Entwicklung des Landes, seine Menschen, aber auch die hier arbeitenden Soldaten zu berichten.

Wenn ihr Spenden für das Projekt Sascha möchtet nehmt mit uns gerne Kontakt auf, es kommt alles bei ihm an und wird für diese Arbeit vewendet.

Bericht aus der Loyal vom Oktober 2013, Seite 74 Niedersachsen (Danke Aranka für den tollen Bericht)

16.09.2013

Kinder in Kabul unterstützen - Soldat Sascha hilft

In seiner Freizeit betreut der Bundeswehrsoldat Sascha* in Kabul zwei Mädchenschulen, die Rabia-Balki-Schule und die Soria-Highschool. An beide ist je ein Kindergarten angeschlossen. Sascha versorgt sie unter anderem mit Kleidung, Computern, Schreibmaterial und Spielzeug. Er überwacht auch handwerkliche Arbeiten, die mit Hilfe von Spendengeld in Auftrag gegeben werden konnten. Immer nach Absprache mit dem Einsatzführungskommando ist Kamerad Sascha in vielen Ecken der Millionenstadt unterwegs und bringt Hilfsgüter zu Bedürftigen. Gerade erst hat er die Projektleitung für den Neubau einer Schule übernommen.

"In Kabul hat Sascha seine Erfüllung gefunden", sagen Uschi und Mario Schulz, die von Deutschland aus mit dem "Projekt Sascha" sein Engagement in Afghanistan fördern. Seine beiden Freunde erzählen voller Bewunderung und Stolz vom Berufssoldaten, der seit 2004 insgesamt schon mehrere Jahre in Kabul im Einsatz war. Aber auch die Reservistenkameradschaft Zeven ist vom persönlichen Einsatz des Soldaten begeistert. Ihr erster Vorsitzender Thomas Kirscht lobt: "Die Arbeit, die Sascha in Afghanistan seit Jahren macht, ist wirklich bewundernswert."

Schulen lehren Selbstständigkeit
In den beiden von Sascha unterstützten Schulen lernen die Mädchen nicht nur das Lesen und Schreiben, sondern auch von Anfang an, selbstständig zu sein. "Die Selbstständigkeit der Schülerinnen ist beeindruckend", bestätigt ein Kamerad von Sascha, der ihn bei einem Schulbesuch begleiten konnte. Das, so die Schulleiterin, gehöre zur Philosophie der Schule. Da verwundert es auch nicht, dass selbst die jungen Schülerinnen ein schon fast perfektes Englisch sprechen.

Besonderes Engagement für Kinder
Schon bei seinem ersten Afghanistaneinsatz entwickelte sich Saschas Engagement für die Kinder. "Kinder sind sein Leben", berichtet auch seine gute Freundin Uschi Schulz über den Soldaten. Gerade wieder ist dieser in Kabul und hofft, bis Ende 2014 bleiben und helfen zu können.

Zukunft afghanischer Schulen ungewiss
Was nach dem Abzug der internationalen Truppen im kommenden Jahr passiert und ob die Schulen weiter so fortbestehen werden, weiß Sascha nicht. Aber er hofft, und er ist sich sicher, dass der Schulbesuch auch dauerhaft Früchte tragen wird. Sein Kamerad dazu: "Viele von uns sind Mentoren und arbeiten jeden Tag mit der afghanischen Armee zusammen. Diese Arbeit ist oft schwierig und von Rückschlägen geprägt. Jeden Tag erzählen uns die afghanischen Soldaten von ihrer Angst, dass die Isaf das Land verlassen und die Taliban siegen könnten. Wenn man jedoch in die Augen der jungen Mädchen sieht, wird einem schnell klar, dass Afghanistan doch eine Zukunft hat. Eine Zukunft ohne Gewalt und Terror, zu der diese Mädchen einen wesentlichen Beitrag leisten." Saschas Kamerad kommt zu dem Schluss: "Sein Einsatz bringt Afghanistan voran und verbessert gleichzeitig die Sicherheitslage für uns alle."

Anschläge erschüttern Schulalltag
Wie dicht Gewalt und Hoffnung dennoch zusammenhängen, weiß Sascha aus eigener Erfahrung: "Der Anschlag in Kabul am 13. September 2011 fand in unmittelbarer Nähe der Rabia-Balki-Schule statt, die wir damals gerade besuchten - und hat mir eine ganz andere Situation als lachende Kindergesichter gezeigt. Jedes Mal, wenn ich auf diesem Schulhof stehe, sehe ich das vor mir und keiner der Soldaten, die mich heute unterstützen, weiß, was ich dort auf dem Schulhof fühle." Und trotzdem ist es Saschas Hoffnung "in Jahren hier nochmal mit meinen Sprachmittlern beim Tee zu sitzen und zu wissen, dass wir das Richtige getan haben."

Spendenhilfe aus Deutschland
Das wünschen sich auch Saschas Freunde in Deutschland. Deshalb haben sie das "Projekt Sascha" ins Leben gerufen. Sie sind es, die den Kontakt zu Sascha in Afghanistan halten, in Deutschland die Werbetrommel rühren, Spenden sammeln und sie regelmäßig nach Afghanistan leiten. Ansprechpartner für das "Projekt Sascha" in Deutschland sind Uschi und Mario Schulz. Wer sich über das Projekt informieren möchte, erfährt mehr unter www.uschimarioschulz.de.

Bundeswehr und Reservisten in Afghanistan
Sascha ist einer von derzeit 4.079 deutschen Soldaten in Afghanistan. Neben ihm werden dort auch 321 Reservisten eingesetzt, hauptsächlich in der sogenannten zivil-militärischen Zusammenarbeit (Cimic), in der Verwaltung, bei den Feldjägern oder im Sanitätsdienst sowie im Feldpostdienst.

* Sascha ist Stabsfeldwebel der Bundeswehr. Sein Nachname ist zum Schutze seiner Person und Familie weggelassen worden.
Aranka Szabó / (ank)

Bild oben: Stabsfeldwebel Sascha mit zwei
afghanischen Kindern in den Bergen bei Kabul
(Foto: privat Sascha).

Bild unten: Stabsfeldwebel Sascha mit jungen
Schülerinnen in der von ihm unterstützten
Rabia-Balki-Schule in Kabul (Foto: privat Sascha).

und auch hier, auf der Homepage des Reservistenverbandes

 

http://www.reservistenverband.de/php/evewa2.php?d=1379398804&menu=0240999915&newsid=22611

 

viel Spass beim lesen !!!

Möbel und Unterrichtsmarerial für Mädchenschulen in Afghanistan

 

  Unterstützung der Rabia Balkhi und der Soria High School (Mädchenschule) in Kabul mit Mobiliar und Unterrichtsmaterial

 


 
  

Projektstatus:

 
Projektvolumen: 5.000,00 €
Projektstatus: abgeschlossen
Projektort: Kabul / Afghanistan
   

Projektbeschreibung:

Normalerweise gehören der Bau oder die Sanierung von Schulen im Norden Afghanistans seit vielen Jahren zu den Großprojekten von Lachen Helfen e.V. –  darüber hinaus gibt es aber auch immer wieder Aktionen, die mit geringerem finanziellen Aufwand eine große Hilfe sein können. Ein solches Projekt wurde jetzt mit maßgeblicher Hilfe unseres Lachen-Helfen-Standortrepräsentanten Sascha D. in Afghanistans Hauptstadt Kabul umgesetzt. Zwei Mädchenschulen l wurden hier mit dringend benötigten Spendengütern versorgt, worüber sich die Schülerinnen und Lehrer über alle Maßen freuen konnten. 

Zunächst hatte Stabsfeldwebel Sascha D. mit seinem Hilfskonvoi, insgesamt 3 voll bepackte Fahrzeuge, die Rabia e Balkhi Girls School angesteuert, die wir vor 2 Jahren schon einmal unterstützt hatten. Die meisten Spendengüter waren zuvor auf den heimischen Basaren gekauft worden, sodass nun Tische, Stühle, Matratzen und Schulsachen abgeladen werden konnten. Ausführliche Gespräche bei Tee und Keksen sowie ein Volleyballspiel der Mädchen, bei dem auch eine Bundeswehrsoldatin mitmachen durfte, rundeten die gelungene Aktion ab. 
 
Danach wurde die Sorya Girls High School im Süden der afghanischen Hauptstadt aufgesucht, in der 2.500 Schülerinnen in 65 Klassen unterrichtet werden. Neben Möbeln wurden viele andere Sachspenden wie Sporttrikots, Deckenventilatoren und Computer für das PC-Labor angeliefert. Für die Kleinen waren natürlich die vielen Stofftiere der „Renner“! Kein Wunder, dass auch hier in den Gesichtern der Mädchen und der Erwachsenen die große Freude über die Hilfe aus Deutschland zu sehen ist!  
 

Projektdokumentation / Bilder:

Eine Auswahl von Spendengütern für die Rabia e Balkhi Girls School. 
 
Sascha D. übergibt der Schulleiterin der Rabia e Balkhi Girls School eine Waschmaschine.
 
Die Bundeswehrsoldatin wurde sofort herzlich in das Mädchen-Volleyballteam der Rabia e Balkhi Girls School aufgenommen. 
 
Sascha D. freut sich über die Dankschreiben der Mädchen. 
 
Auch die Mädchen der Sorya Girls High School nahmen die Soldatin sofort in ihrer Mitte auf. 
 
 „Lachen Helfen“ galt auch für Sascha D., nachdem er Stofftiere an die Kleinen verteilt hatte. 
 
Dank für die Hilfe brachten auch die Mädchen der  Sorya Girls High School zum Ausdruck.  
 
Zum Schluss gab es auch noch eine Dankesurkunde von der Sorya Girls High School für die Hilfe aus Deutschland.

 

 

Wir weisen hier ausdrücklich nochmals darauf hin, dass das herunterladen von Fotos auf unseren Seiten untersagt ist !!!!!